Katholisch sein – was heißt das eigentlich? Der Träger unserer Hochschule ist das Erzbistum Berlin – wir sind eine konfessionelle Hochschule, die den christlichen Werten der Nächstenliebe, der Achtung der Menschenwürde eines jeden Individuums und des Respekts vor den anderen verpflichtet ist. Hier zu lernen, zu lehren und zu arbeiten bedeutet nicht unbedingt, den Glauben persönlich zu teilen, sondern vielmehr, seine Bedeutung zu kennen. Christine Funk erklärt in dieser Rubrik assoziativ-erhellend katholische Traditionen und Positionen. In dieser Folge erkundet sie das am 22. Juli zelebrierte Apostelinnenfest Maria Magdalena.
In den Traditionen der katholischen Kirche spielten und spielen die Heiligen-Gedenktage eine große Rolle. Sie werden auch als Namenstage von Menschen, die den jeweiligen Heiligennamen tragen, gefeiert. Beispielsweise Patrick am 17. März, Georg am 23. April, Katharina am 29. April oder 25. November, Elisabeth am 19. November.
Als Heilige verehrt die kirchliche Erinnerung Menschen, die in besonderer Weise das zum Ausdruck brachten, was in ihrer jeweiligen Zeit als exemplarisch und hervorragend christlich galt, und die als Vorbilder eine Rolle spielten oder spielen. Mit der Feier der Heiligenfeste erhält das Jahr zusätzlich zu den großen kirchlichen Festen weitere Anlässe, nicht nur Feste zu feiern, sondern sich auch in der Lebenspraxis weiterzuentwickeln.
Ergänzend zum in der katholischen Kirche sogenannten Hochfest Peter und Paul am 29. Juni hat der verstorbene Papst Franziskus im Jahr 2016 das Fest der „Apostelin der Apostel“ kreiert, indem Maria Magdalena, deren Fest am 22. Juli gefeiert wird, in den Rang der „Apostelfürsten“ (bisher Peter und Paul) gehoben wurde.
Damit gibt es ein neues Fest, das Entwicklungspotenzial in sich trägt: die Verdrängung der Frauen aus der Erinnerungsgeschichte (nicht nur) der Kirche zu beenden. Und ein Anlass, zu feiern, dass gelingende Partnerschaftlichkeit dominanzfrei und gemeinschaftsstiftend leben kann! Dass im Umfeld Jesu und Maria Magdalenas solches erfahrbar war, legen Textfunde in koptischer Sprache aus dem oberägyptischen Nag Hammadi nahe, die aus dem 4. Jh. stammen und griechische Texte aus dem 2. Jh. übersetzen. Nicht nur feministische Theolog*innen haben darüber gearbeitet.
Es wäre schön, wenn viele dazu beitragen würden, die kirchliche Erinnerungsgeschichte mit dem Gewicht der Apostelin Maria Magdalena endlich in eine gleichberechtigte Vielstimmigkeit zu bringen, die das Erzählen vom Wirken des lebenspendenden Gottesgeistes nicht hierarchisch auf Männlichkeit verengt.